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IMPRESSIONEN

Die Liste der ArchitekTEN:

Josef Frank

Richard Bauer
Karl A. Bieber
Otto Breuer
Anton Brenner
Josef F. Dex
Max Fellerer
Helmut Wagner Freynsheim
Hugo Gorge
Jacques Groag
Arthur Grünberger
Gabriel Guévrékian
Oswald Haerdtl
Hugo Häring
Josef Hoffmann
Clemens Holzmeister
Julius Jirasek
Ernst Lichtblau
Adolf Loos
Walter Loos
André Lurçat
Richard Neutra
Otto Niedermoser
Ernst A. Plischke
Gerrit T. Rietveld
Margarete Schütte Lihotzky
Walter Sobotka
Oskar Strnad
Hans Adolf Vetter
Eugen Wachberger
Josef Wenzel
Oskar Wlach

JOSEF FRANK sagte 1930 in einer Rede: „Man sagt immer, dass frühere Zeiten pathetisch waren.
Es hat aber kaum eine pathetischere Zeit gegeben als die unsere. Jede Einfachheit, die
nicht mehr zu überbieten ist, ist pathetisch, alles gleich machen zu wollen, alles organisieren zu
wollen, um alle Menschen in eine große gleichartige Masse hineinzuzwängen.“

ADOLF LOOS sagte zum Thema „Ornament und Verbrechen“1908 unter anderem: „Ich habe folgende
Erkenntnis gefunden und der Welt geschenkt: Evolution der Kultur ist gleich bedeutend mit dem
Entfernen des Ornamentes aus dem Gebrauchsgegenstande. Ich glaubte damit neue Freude in die Welt
zu bringen, sie hat es mir nicht gedankt.“

NEUES WIENER JOURNAL, 5. Juni 1932: „Siebzig Häuser
wuchsen aus dem Boden, Zeichen einer neuen Zeit“

ANGEREGT durch die Weltausstellungen in Stuttgart (1927), Breslau (1929) und anlässlich der Wiener
Werkbundausstellung (1932) wurden Architekten aus dem In- und Ausland eingeladen,
um 70 Siedlungshäuser zu bauen.
Viele der 32 Architekten hatten schon im Vorfeld miteinander gearbeitet, waren Schüler oder deren Professoren.
Josef Frank wählte sehr sorgsam seine Kollegen aus, um seinen Gedanken von Wirtschaftlichkeit auf
kleinstem Raum zu verwirklichen. Die Siedlungshäuser mit ihren Mustereinrichtungen wurden der
Öffentlichkeit zwei Monate lang zugänglich gemacht.

IM UNTERSCHIED zur Weissenhofsiedlung ging es Josef Frank nicht um neueste Baumethoden oder um einen
neuen Baustil. Er wollte vielmehr funktionelle Lösungen.

URSPRÜNGLICH sollte die Werkbundsiedlung in der Nähe des Wasserturms bei der Triesterstraße errichtet werden.
Doch Frank konnte dies verhindern, denn Großanlagen wie der George-Washington-Hof hätten eine
Kleingartensiedlung erdrückt.

UNZULÄNGLICH waren fast alle ursprünglich eingereichten Baupläne, sie wurden im Werkbundbüro überarbeitet und
1931 nachgereicht.

AUFLAGEN wie die Unterkellerung und die Verwendung von Ziegelbauwerk wurden wegen der Feuchtigkeit des
Baugrundes vorgegeben. Die Mitsprache bei der Bauweise wurde den zukünftigen Mietern untersagt.

ANGEFÄRBELT. Nur wenige Häuser wurden 1932 verkauft. Die Häuser standen jahrelang leer, sehr rasch bildeten sich
sichtbare Schäden. Nach dem Einmarsch Hitlers wurden auf Anweisungen des damaligen Bürgermeisters Dr. Neubacher
die Fassaden einiger Häuser neu gestrichen, ohne Rücksichtnahme auf die Originalfarben. Es wurden auch
manche Fenster vergittert und Geländer angebracht.

RENOVIERT. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden 56 der 70 Häuser von Architekt Prof. A.
Krischanitz mit viel Liebe zum Detail renoviert. Leider hatte er keinen Einfluss auf Häuser die sich in
Privatbesitz befinden. Er dokumentierte seine Arbeit in dem Buch [Die Wiener Werkbundsiedlung •
Dokumentation einer Erneuerung].
Dieses Buch ist leider vergriffen.
Die neuerliche Renovierung ist seit August 2011 im vollem Gange.

PERSÖNLICHES. Ich fand die Siedlungshäuser bei meiner ersten Begegnung hässlich und sehr bedrohlich.
Die Häuser von Lurcat (zweites Bild von oben) erzeugten sogar Furcht in mir. Ein Kerker, dachte ich mit
meinen nicht ganz fünf Jahren.
Kein Wunder, die Häuser waren damals renovierungsbedürftig und hatten Narben der Vergangenheit.
So vergaß ich diese Siedlung wieder, unwichtig ... hässlich ... furchtereggend ...
Fasziniert von der Vielfalt, vom künstlerischen Flair der elitären Häuschen*... ... ein Kerker?
Was muss ich anstellen, um hier endlich eingesperrt zu werden? Doch ich sollte nicht
zu den Auserwählten gehören, ein Grund mehr für mich, eine Website zu gestalten - über die fast vergessene
Wiener Werkbundsiedlung.
Charlotte Schlifelner


 

 
Werkbundsiedlung Wien 1932 wurde mit dem at-award 2004 in Gold in der Kategorie Kunst und Kultur ausgezeichnet.